1. Lesekompetenz - Vergleich der Schulformen:
"Erwartungsgemäß sind schwache Leserinnen und Leser im Bildungsgang Hauptschule deutlich überrepräsentiert (s. Tabelle). In diesem Bildungsgang erreicht fast die Hälfte nicht die Kompetenzstufe II. Aber auch im Bildungsgang Integrierte Gesamtschule sind etwa 18 Prozent und in Realschulen etwa 10 Prozent schwache Leserinnen und Leser anzutreffen. Lediglich im gymnasialen Bildungsgang erreichen fast alle Jugendlichen mindestens die Kompetenzstufe II."
2. Einfluss des häuslichen Hintergrunds:
"[...] wird ersichtlich, dass der Anteil schwacher Leserinnen und Leser sowohl mit dem Vorhan-densein eines Fernsehers im eigenen Zimmer beziehungsweise einer Spielekonsole zusammen-hängt als auch mit dem Vorhandensein literarischer Texte und Hörbüchern, und zwar in gegenläufiger Richtung. Unter den Schülerinnen und Schülern mit eigenem Fernseher im Zimmer befinden sich etwas mehr Jugendliche (etwa 21 Prozent), deren Lesekompetenz unter Kompetenzstufe II anzusiedeln ist, als in der deutschen Stichprobe insgesamt (18.5 Prozent). Umgekehrt liegt der Anteil der schwachen Leserinnen und Leser unter den Jugendlichen ohne eigenen Fernseher im Zimmer mit lediglich etwas über 11 Prozent deutlich unter dem deutschen Durchschnitt. Für das Vorhandensein einer Spielekonsole ist ein ähnliches Muster zu erkennen. Im Gegensatz dazu gilt, dass in Haushalten, in denen Hörbü-cher, Bücher mit Gedichten und klassische Literatur vorhanden sind, der Anteil von Schülerinnen und Schülern auf den Kompetenzstufen Ia und unter Ia mit jeweils etwa acht Prozent, neun Pro-zent und sieben Prozent sehr deutlich unter dem deutschen Durchschnitt liegt."
Kann man also sagen, dass der Einfluss des Elternhauses eine wesentlich größere Rolle für die Lese-kompetenz spielt als der "kompetenzorientierte Unterricht"?
3. Gesamtpunktzahl - Schaut man auf das Gesamtergebnis "Lesekompetenz", dann ergibt sich folgendes Ergebnis:

4. Unterscheidung nach Kompetenzstufen
"Die mittleren Kompetenzen der vier Bildungsgänge unterscheiden sich erwartungsgemäß deutlich voneinander. Dabei liegt der Mittelwert des Hauptschul-Bildungsgangs mit 411 Punkten gut zwei Kompetenzstufen unter dem Mittelwert der Gymnasien mit 575 Punkten. Schülerinnen und Schüler im Gymnasium liegen im Durchschnitt damit auf dem Niveau der Kompetenzstufe IV, während das mitt-lere Niveau von Schülerinnen und Schülern des Bildungsgangs Hauptschule auf Kompetenzstufe II angesiedelt ist. Die Kompetenzen im Bildungsgang Realschule (498 Punkte) und in der Integrier-ten Gesamtschule (479 Punkte) liegen zwischen diesen beiden und vergleichsweise nah zusam-men. Dennoch ist ein signifikanter Vorsprung der Jugendlichen im Bildungsgang Realschule ge-genüber denjenigen in der Integrierten Gesamtschule nachweisbar. Das Durchschnittsniveau des mittleren Bildungsgangs fällt gerade in den Kompetenzbereich der Kompetenzstufe III (unteres Drittel), wohingegen die Integrierte Gesamtschule am oberen Rand der Kompetenzstufe II angesiedelt ist."
Das heißt, wenn ich richtig lesen kann, die Gesamtschüler lesen und verstehen Texte im Durchschnitt nur unwesentlich besser als Hauptschüler! Ein grandioser Erfolg dieser Schulform!
Dies zeigt auch das nachfolgende Schaubild!

Zwar wird deutlich, dass auch auf dem Gymnasium überforderte Kinder sind, doch gibt es in der Gesamt-schule trotz eines bestimmten Anteils an Gymnasialempfohlenen deutlich weniger Schüler im Spitzenbe-reich als in der Realschule! 0% der Gesamtschüler erreichen en Exzellenzbereich VI!
5 Bedingung
Ein gegenteiliges Bild erhält man jedoch, wenn es um die Ressourcenausstattung an Schulen geht:
"Bei der Aufschlüsselung nach Schularten zeigt sich, dass Schulleitungen an Integrierten Gesamt-schulen vergleichsweise günstige (M = 1.07), Schulleitungen an Schulen mit mehreren Bildungsgängen vergleichsweise ungünstige (M = -0.17) Bedingungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von qualifizier-ten Lehrpersonen berichten."
6. Entscheidungsspielräume
Interessant ist außerdem das Ergebnis hinsichtlich der Entscheidungsspielräume bei der Ausformulierung der Curricula:
" Die Entscheidungsspielräume bei der Gestaltung des Curriculums sind vor allem am Gymnasium vergleichsweise gering ausgeprägt (M = -0.48) und liegen unterhalb jener an Hauptschulen, Inte-grierten Gesamtschulen und Realschulen."
7. Erfahrung mit standardisierten Testverfahren
Darüber hinaus schneidet das Gymnasium weit besser bei PiSA ab, obwohl (oder weil?) man im Gymnasium (Kategorie „Nie“: 81.5 Prozent) weit weniger standardisierte Testverfahren einsetzt als Schulen mit mehreren Bildungsgängen (27.5 Prozent), Integrierte Gesamtschulen (37.4 Prozent) und Realschulen (47.6 Prozent).
8. Individuelle Förderung - Fachunterricht in der Herkunftssprache (Migrantenkinder)
Das Ergebnis der Realschulen ist umso beachtlicher, als "Integrierte Gesamtschulen und Hauptschulen eine besonders breite Förderung anbieten können. Im Vergleich zu Realschulen und Gymnasien kommen in den Integrierten Gesamtschulen der Förderunterricht in der Landessprache sowie der Fachunterricht in der Herkunftssprache deutlich häufiger vor; in den Hauptschulen ist es die Reduktion der Klassengröße."
"Da Hauptschulen mit 38.5 Prozent und Integrierte Gesamtschulen mit 27.1 Prozent besonders hohe Anteile von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund unter den Fünfzehnjährigen aufweisen, ist die größere Häufigkeit der Maßnahmen in diesen Schularten plausibel. Allerdings finden sich auch in Realschulen (26.2 Prozent), Schulen mit mehreren Bildungsgängen (22.1 Prozent) und Gymnasien (19.2 Prozent) bedeutsame Anteile von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Die Chance dieser Jugendlichen, mittlere und höhere Schullaufbahnen erfolgreich zu absolvieren, könnte möglicherweise steigen, wenn Förderangebote auch in diesen Schularten verstärkt angeboten würden."
9. Klassenführung
"Auffällig ist bei PISA 2009, dass Schülerinnen und Schüler an Integrierten Gesamtschulen die Unterrichtsqualität sowohl bezüglich der Klassenführung (M = 0.46) als auch der kognitiven Aktivierung höher einschätzen, als dies die Schülerinnen und Schüler der anderen Schularten hinsichtlich der Klassenführung und der kognitiven Aktivierung tun."
Das heißt also, obwohl sich die Gesamtschüler stärker als die Schüler anderer Schulformen (Realschule, Gymnasium) "kognitiv aktiviert" fühlen, schneiden sie faktisch schlechter ab als Gymnasiasten und auch Realschule!
10. Innere Differenzierung
"Differenzierungspraktiken sind im Deutschunterricht an Integrierten Gesamtschulen erwartungsgemäß am stärksten verbreitet (Skalenmittelwert: M = 2.15), da dieses pädagogische Konzept dort von besonderer Bedeutung ist. Am Gymnasium hingegen, der selektivsten Schulart in Deutschland, finden sich Differenzierungspraktiken im Deutschunterricht der 9. Jahrgangsstufe seltener als in den anderen Schularten."
Trotz stärkerer innerer Differenzierung hat die Gesamtschule deutlich weniger Schüler, die eine gute oder sehr gut Leistung erbringen als die Realschule oder das Gymnasium. Was geschieht eigentlich mit den gymnasialempfohlenen Schülern bis zum 9. Schuljahr. Die Differenzierung führt scheinbar aber nicht dazu, dass besonders gute Schüler auch entsprechend gefördert werden. Die Realschule schafft es signifikant besser, Schüler so zu fördern, dass sie gute Leistungen erbringen können (vgl. oben)
11. Leseförderung
"Vor allem an Gymnasien werden häufiger auch mehr Bücher gelesen: 37.8 Prozent der Lehrpersonen an Gymnasien geben an, drei oder mehr Bücher im Deutschunterricht zu lesen, an Integrierten Gesamtschulen sind es 18.7 Prozent."
12. Individuelle Förderung
"Die Unterstützung durch die Lehrperson wird von Schülerinnen und Schülern an Integrierten Gesamtschulen und Schulen mit mehreren Bildungsgängen besonders positiv bewertet, die individuelle Bezugsnormorientierung ist an den Schulen mit mehreren Bildungsgängen sowie an Integrierten Gesamtschulen besonders ausgeprägt."
13. Schwerpunktsetzung des Deutschunterrichts
"Betrachtet man die inhaltlichen Schwerpunkte des Deutschunterrichts auf der Basis der in den Bildungsstandards für das Fach Deutsch (KMK, 2004) beschriebenen Kompetenzbereiche, zeigen sich schulartspezifische Schwer punkte: An Hauptschulen liegt einer der Schwerpunkte auf dem Hörverstehen, an Gymnasien fokussieren die Lehrpersonen eher auf das Arbeiten mit Literatur, Aufgabenstellungen im Bereich der Rhetorik sowie Schreibaufgaben."
Fazit: Trotz stärkerer individueller Förderung, besserer Ausstattung, einem größeren Entscheidungsspielraum bei den Lehrplänen, größerer Erfahrung mit standardisierten Testverfahren kommt die Gesamtschule nicht auf das Niveau einer Realschule. Die Behauptung, dass in heterogenen Lerngruppen alle besser lernen, lässt sich nicht nachweisen. Im Gegenteil: Der Pisa-Test legt nahe, dass andere Faktoren für die "Lesekompetenz" eine viel größere Rolle spielen:
• Leseerfahrungen in der Kindheit und Jugend
• als negativer Faktor: Fernseher bzw. Spielkonsole im Kinderzimmer
• Ausrichtung des Unterrichts: Literaturunterricht, Rhetorik, u. a. (na so etwas, also doch Unterrichts"inhalte"?!)
Die Faktoren:
• gefühlte individuelle Förderung
• Prozessorientierung
• Fachunterricht in der Muttersprache
• u.a. (vgl. oben)
scheinen hingegen keine so große Rolle zu spielen, als dass sie die Gesamtschule auf das Realschulniveau heben würden. Der Abstand zum Gymnasium hingegen ist schon gravierend!
Das passt aber leider nicht in das ideologische Bild!
|